von Robert Röber

Sein Leitspruch war: Sic transit gloria mundi – so vergeht der Ruhm der Welt. – Für alle völlig überraschend verstarb Ernst kurz vor seinem achtzigsten Geburtstag friedlich im Kreise seiner Familie.
Auch wenn Ernst nicht mehr Mitglied innerhalb der unitarischen Vereine und Verbände war, so soll er doch für sein Lebenswerk eine Ehrung erfahren.
Ernst wurde unmittelbar nach dem Krieg geboren und musste wie viele Kinder ohne Vater aufwachsen. Er genoss eine akademische Ausbildung und interessierte sich aufgrund seines eigenen Schicksal sehr für Geschichte. Er war als Berufsschullehrer in Hamburg tätig und vielseitig politisch und in unserer Gemeinschaft engagiert. Er hat nach seiner Pensionierung noch wissenschaftlich gearbeitet und Bücher veröffentlicht. Sein letztes Buch „Will he – won`t he, eine dritte Amtsperiode für Franklin D. Roosevelt“ wollte er noch in Hamburg bei einer Lesung vorstellen.
BduJ (heute BeuJ), Unitarische Landesgemeinde Hamburg, Gesamtgemeinde der Unitarier, IARF, Hilfswerk, unitarische Akademie und JFK. Überall hat sich Ernst eingebracht und mitgeprägt. Er schrieb und sprach die Texte für die Sendereihe „Freiheit und Verantwortung“ beim NDR. Er galt als Organisator, Mitreißer und Motivator für andere. Er konnte auch streiten, vor allem wenn es ihm um die Sache bei seinen Projekten ging. Viele mögen sich an die Diskussionen um die berühmte „Klingbergmark“ erinnern. Dabei hat er auch sicherlich mal den einen oder anderen verletzt, aber ohne seine „Streitlust“ hätten die beiden folgenden unitarischen Generationen nicht ein festes Zuhause in Klingberg gefunden.
Ohne Ernsts Einsatz und Engagement gäbe es die Jugend- und Familienbildungsstätte nicht, und er hat dafür Sorge getragen, dass sie zukunftsfähig geblieben ist. Er hat sich schon damals – auch mit anderen – Gedanken darüber gemacht, wie man den Komplex nachhaltig und ökologisch bewirtschaftet, angefangen mit einer Wärmepumpe, bzw. heute durch die Solartechnik. Ernst hat die Bildungs-Seminare organisiert; und die von ihm entworfenen Jahresprogramme hingen in vielen unitarischen Haushalten. Er hat neben seinen beruflichen Verpflichtungen auch Personalverantwortung für die Mitarbeiter der Bildungsstätte übernommen, war fast jedes Wochenende da und hat den Laden am Laufen gehalten, hat Gelder eingesammelt und den einen oder andren „Prominenten“ aus Politik und Gesellschaft nach Klingberg geholt. Heute fragt man sich, welche „Work-Life-Balance“ wohl Ernst gehabt haben mag.
Wir haben es auch Ernst zu verdanken, dass die Familienfreizeit seit über 25 Jahren ein fester Bestandteil für unitarische Familien geworden ist. Er hat das Projekt von Anfang an unterstützt und dafür sogar sein geliebtes Osterseminar verlegt.
Auch wenn mittlerweile sich vieles in Klingberg geändert hat und heute ebenfalls sehr engagierte Menschen für einen reibungslosen Ablauf Sorge tragen, so ist und bleibt Ernst vielleicht nicht der Vater, aber bestimmt der Geburtshelfer und Erzieher unserer Bildungsstätte in Klingberg.
Wir wollen Ernst als lachenden, fröhlichen und vor allem singenden Menschen in Erinnerung behalten.
Anlässlich seiner Totenleite wurde unter musikalischer Begleitung von Frank Kubitschek und Peter Unbehaun (Kalligrafie!) das schöne Beatles-Lied „Yellow Submarine“ gesungen. Ja, jenes U-Boot, welches Ernst zu seinem vierzigsten Geburtstag geschenkt bekam und jahrelang den Kindern als Spielgerät diente. Dazu passt, dass sich Ernst eine Seebestattung gewünscht hat.
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Lieber Ernst, ich werde unsere tollen Gespräche beim Essen, Deine Leidenschaft für Projekte, Deinen Humor, Deine Unterstützung während meiner Zivildienstzeit und danach und vor allem Dein schallendes Lachen vermissen. Danke auch für meinen Spitznamen (ein Beatles-Lied)!
Robert Röber
(„Dr. Robert“)
[unitarische briefe 01.10.2025]
aus dem Archiv des DFW (2025)

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