
Anlässlich der Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur e.V. am 12.10.2019 in Neu-Isenburg wurde der Vereinsgründer Ernst Haeckel gewürdigt.
Zu seinem 100. Todestag erinnerte die Freigeistige Aktion (ehem. Deutscher Monistenbund) an den großen Naturforscher und Philosophen. Ernst Haeckel (1834–1919) gilt als der deutsche Naturwissenschaftler, der als einer der ersten Darwins Überlegungen der biotischen Evolution und der Abstammungslehre des Menschen aufnahm und verbreitete. Er forschte selbst jahrzehntelang über die Entwicklung und trug zum wissenschaftlichen Fortschritt bei. Haeckel war es, der den naturwissenschaftlich orientierten Monismus als naturphilosophische Welterklärung und freigeistige Weltanschauung etablierte.
Im Anschluss an die Bundesversammlung der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur e.V. in Neu-Isenburg fand ein Vortragsnachmittag statt, der von zwei Referenten gestaltet wurde. In den Räumen der Humanistischen Gemeinschaft Neu-Isenburg in der Ludwigstraße 68, die Mitveranstalter war, fanden sich viele Interessierte ein, um den Ausführungen der Vortragenden zu folgen.
1906 gründete Haeckel in Jena den Deutschen Monistenbund, die heutige Freigeistige Aktion für humanistische Kultur. Aus der rein naturphilosophischen Ausrichtung des Monistenbundes zur Zeit seiner Gründung ist im Laufe der Jahrzehnte ein vermehrter Einsatz für freigeistige und humanistische Kulturarbeit geworden, und zwar vor dem Hintergrund der Grundrechte-Charta der UN an der Würde des Menschen ausgerichtet. Für viele unserer modernen Ansichten über Menschen, Tiere und Natur, Umweltschutz und Menschenrechte wurden schon zu Haeckels Zeiten die Grundsteine gelegt.
Arnher Lenz und Dr. Volker Mueller unterstrichen in ihren Referaten die Bedeutung Haeckels für die Entwicklung der heutigen Weltanschauung. Dabei ging es sowohl um die damals bahnbrechenden Erkenntnisse in der Biologie als auch um die daraus folgenden Einsichten hinsichtlich der Weltanschauung im Allgemeinen. Klar ist auch, dass einige der damaligen Theorien Haeckels mittlerweile überholt sind, weil die Forschung entsprechende Fortschritte gemacht hat. Dennoch sind z.B. seine Bücher wie die „Generelle Morphologie der Organismen“ von 1866 oder „Die Welträthsel. Gemeinverständliche Studien über Monistische Philosophie“ von 1899 wichtige Meilensteine in der Entwicklung der modernen, freigeistigen Weltanschauung gewesen.
In seinen Thesen zur Organisation des Monistenbundes (1904) erkannte Haeckel: „Ein Teil dieses universalen Entwicklungsprozesses ist unmittelbar unserer Erkenntnis zugänglich; Anfang und Ziel desselben sind uns unbekannt. … Dagegen muß die moderne Wissenschaft vollständig jede sogenannte ‚Schöpfung’ der Welt ablehnen.“ Für Haeckel ergaben all diese Erkenntnisse Folgendes: „Die ganze Welt ist durch die moderne Wissenschaft als ein einheitliches großes Ganzes erkannt worden, als ein Kosmos, der durch feste Naturgesetze regiert wird. Dieser Kosmos umfasst den unendlichen Weltraum und die darin nach festen Gesetzen sich bewegenden Weltkörper (Sonnensysteme); zugleich aber auch die Organismen, die deren Planeten bewohnen; kurz die Gesamtheit der ‚Natur’. […] Dagegen erscheint der heutigen Naturkenntnis ganz unhaltbar die bisher herrschende Unterscheidung von zwei Welten: Einerseits Körperwelt oder Natur […] – andererseits Geisteswelt oder Übernatur […]. Alle Vorstellungen über diese letztere, übernatürliche Welt (– das „Jenseits“ –) beruhen auf Unkenntnis der Wirklichkeit oder auf Unklarheit des Denkens, teilweise auch auf der Macht der mystischen Tradition.“
Monismus kann also als weltanschauliche und wissenschaftlich begründete Position verstanden werden, wonach alle Geschehnisse, Verhältnisse, Ereignisse und Erscheinungen der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführbar sind. Damals umstritten – dank Darwin, Haeckel u.a. heute selbstverständlich.
Freigeistige Aktion für humanistische Kultur – www.freigeistige-aktion.de

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